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Max und Emma

Max und Emma

Grüezi, ich bin Max und neben mir seht Ihr meine Schwester Emma. Wir sind eigentlich waschechte Schweizer, aber heute leben wir im Bärenpark Worbis. Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte.

drei Bären in der BärengrubeAls wir noch ganz klein waren lebten wir mit unserer Mutter im Berner Bärengraben. Das war eine Grube mit einer hohen Mauer und wir konnten nicht sehen, was hinter der Mauer war. Die Menschen hatten uns dort eingesperrt, weil sie Angst vor uns haben, denn wir sind sehr stark. Trotzdem wollten sie uns ab und zu anschauen und uns beim Spielen und Fressen zuschauen.

Richtig spielen konnten wir freilich nicht, denn niemand hatte daran gedacht, dass Bären gerne klettern und laufen; dass wir den Wind riechen möchten und rote Beeren mögen. In der Grube gab es nur die graue Mauer. Manchmal kam ein Wärter vorbei und warf uns etwas zu, das wir essen sollten.

Mama war oft traurig. Abends, wenn die Menschen fort waren, kuschelten wir uns aneinander und Mama erzählte uns von der Zeit, als die Bären noch durch die Wälder und über die Berge laufen durften.

 

 


Bären lieben die NaturUrgroßbär Frieder und seine kleine Tochter Ursula spielten oft Verstecken im Wald. Sie freuten sich, wenn die bunten Blumen blühten oder die anderen Tiere mit ihnen herumtobten.

Wenn die Sonne sah, wie vergnügt die Bären im Wald waren, lachte auch sie.

Mama erzählte meist so lange, bis wir eingeschlafen waren, aber an einem Abend sagte sie traurig:
"Ich werde bald wieder ein Bärenkind bekommen, denn die Menschen mögen Bären nur, wenn sie noch sehr klein und tapsig sind. Ihr seid nun fast schon so stark wie ich. Deshalb werden die Menschen Euch fortbringen."
Mama sah unsere entsetzten Gesichter und meinte: " Ihr braucht keine Angst zu haben. Ich habe gehört, dass ihr zu einem Erlebnisgasthaus gebracht werdet. Das klingt doch aufregend. Sicher werdet Ihr dort viel Spass haben."

In dieser Nacht konnten Emma und ich nicht einschlafen. Wir waren traurig, weil wir fort von unserer Mutter sollten. Mama tröstete uns und sagte: "Habt keine Angst. Eure Mama wird immer an Euch denken. Mit meinen Gedanken werde ich versuchen, alles Böse von Euch zu halten."

Das Auto holt Max und Emma abSchon früh am nächsten Morgen brachte der Wärter uns etwas ganz besonders Leckeres zum Frühstück. Merkwürdig, dass ich danach schon wieder sehr müde wurde. Ich schlief schnell wieder ein. Als ich wach wurde, merkte ich, dass Emma und ich in einem gelben Wagen eingesperrt waren. Die Fahrt war sehr aufregend, denn durch die kleinen Fenster beobachteten wir die Landschaft und sahen auch viele andere Tiere und Menschen.
Am Ziel angekommen brachten drei Männer uns in ein Loch im Erdboden. Wir wehrten uns und weinten und brummten, doch die Männer waren stark und trieben uns mit dicken Stangen in die Grube.

Max und Emma sind in der Grube gefangen

Das war also die Erlebnisgaststätte. Meine Schwester war mit mir in einem Loch gefangen, das neben einem Wirtshaus war. Über der Treppe, die ins Freie führte, lag ein dicker Klotz, den wir beiden nicht wegschaffen konnten. Die andere Öffnung hoch oben konnten wir nicht erreichen. 
Es war eng und kalt in dem Loch und wir hatten nichts zu tun und langweilten uns sehr. Jeden Tag kamen Menschen vorbei, starrten uns an. Das machte uns wütend und wir brummten dann. Darüber lachten die meisten Menschen. Sie freuten sich über unser Brummen und merkten nicht, wie traurig wir waren. Manche Menschen dachten sogar, wir brummten vor Hunger und warfen uns Essenreste aus dem Gasthaus zu. Emma wurde davon krank und bekam Bauchweh.

So lebten wir eine lange Zeit in dem Erdloch. Wir merkten nicht, ob der Winter kam oder der Frühling. Wir konnten den Wind nicht spüren und nicht an Blumen riechen. Wie es sich anhört, wenn ein Vogel singt, hatten wir längst vergessen. Zum Laufen und Toben war in der Grube kein Platz. Aber wir freuten uns schon morgens auf den Abend, denn kurz bevor sie unterging, kam uns manchmal die Sonne besuchen. Sie brachte dann einen kleinen Sonnenstrahl als Gruß von unserer Bärenmama mit. Wenn der Sonnenstrahl unser Fell berührte und uns wohlig wärmte, konnten Emma und ich einschlafen, denn wir wussten, dass Mama an uns denkt.

Einmal kam die Sonne gerade zu Besuch, als eine Familie über unserer Grube stand um auf uns herabzusehen. Die schwachen Strahlen trafen auf die Menschen und wärmten auch sie. Die Kinder merkten schnell, wie wir uns über den winzigen Strahl freuten, der zu uns herabfiel. Lange schauten sie zu uns herab und schließlich meinte der kleine Rüdiger: "Wir müssen den Bären helfen. Alle Tiere brauchen die Sonne, das Licht, den Regen, die Stürme und den Schnee. Bären brauchen Platz zum Spielen und Rennen. In der Schule habe ich gelernt, das Bären gerne Fische fangen und schwimmen und.." Seine Schwester Lisa unterbrach den Jungen: " Richtig, wir müssen helfen. Wir werden allen Menschen erzählen, dass hier zwei Bären leben, die krank werden, weil sie eingesperrt sind."

Natürlich merkten Emma und ich nicht, dass die Kinder tatsächlich mit vielen Menschen über uns redeten, aber die Sonne berichtete uns ab und zu über die Aufregung in der Stadt. Einige Leute schimpften sogar über den Wirt, der uns hergeholt hatte, und forderten ihn auf mehr Platz für uns zu schaffen. Schließlich war der Wirt bereit uns abholen zu lassen. Dieses Mal freuten wir uns auf die Reise, denn die Sonne wusste schon, wohin es ging: Zum Bärenpark Worbis !

Max und Emma fühlen sich im Bärenpark wohl

Die Reise dauerte einige Stunden; und je länger wir fuhren, um so aufgeregter wurden wir. Natürlich hatten wir auch ein bisschen Angst, aber Emma und ich machten uns gegenseitig Mut.

Freundliche Menschen führten uns am Ende unserer Reise in den Bärenpark. Schüchtern nahm Emma meine Hand. Hier gab es so viel zu entdecken. Riesige Bäume und winzig kleine Blümchen wuchsen auf einer Wiese. Tiere, die wir noch nie gesehen hatten, liefen, krabbelten und flogen umher. Emma und ich liefen erst mal in eine Höhle und ruhten uns aus. Von weitem beobachteten wir die anderen Tiere und merkten schnell, dass alle sehr freundlich waren.

Hier leben sogar noch andere Bären. Eine Bärendame, die fast so aussieht wie unsere Mama, zeigte uns alles. So konnten wir uns schnell eingewöhnen.
Jetzt leben wir schon viele Jahre im Bärenpark und fühlen uns sehr wohl. Nur die Wölfe, die am anderen Ufer des Bachs leben, mögen wir nicht. Nachts heulen sie den Mond an und reden mit ihm. Wir aber mögen die Sonne und noch immer kommt sie jeden Tag, um uns einen Gruß von Mama zu bringen.

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